Samstag, 1. November 2014

Sessel und Liegen - Rülke Design - armchairs and chaise lounges

Sessel - armchairs


Ein Ausflug ins Sessel-Design des stylischen Puppenmöbelherstellers Hermann Rülke. Wie immer eine Design-Geschichte en miniature.
Formen, Farben, Muster der 50er und 60er Jahre demonstriert anhand von Sesseln.

 
Ich denke, dass dies alles bunte Sessel von Mitte/Ende der 50er sind, die von Rülke hergestellt wurden. Leider habe ich kein komplettes Wohnzimmer in meiner Sammlung, das ich zeigen könnte.

Die folgenden beiden Varianten der obigen Sesseltypen
stammen aus dem Virtuellen Puppenhausmuseum.



In einem Bericht zur Leipziger Messe am 14.3.1957 berichtet die "Neue Zeit": 
Im großen wie im kleinen hat sich einiges getan auf dem Gebiete der Wohnkultur. Hermann Rülkes (Kleinhartmannsdorf) Puppenstubeneinrichtungen bieten Anbauküchen nach letztem Modell der Bauakademie, schaumgummigepolsterte Schalensessel, hochmodische Couchs und Sitzecken in vielen Farben, exklusive Verandaliegen."
"schaumgummigepolsterte Schalensessel, hochmodische Couchs und Sitzecken in vielen Farben"
- ja, die könnten doch damit gemeint sein. Auch bei den Anbauküchen hätte ich schon einige Ideen, welche das sein könnten - nur welche exclusiven Verandaliegen damals gerade vorgestellt wurden, würde mich schon sehr interessieren...
 
I think the colourful armchairs on the first photo
were all made by Rülke.
Another style of comfortable chairs
might be the "Scandinavian" one,
which was very popular since the end of the 50s.
Look at the following photos.

Etwa zur selben Zeit müssten aber auch die folgenden Wohnzimmer-Modelle von Rülke entstanden sein, nicht ganz so bunt und eher mit einer Liege als einer Couch in der Sitzecke:

 www.puppenhausmuseum.de




 Sammlung Anna Setz



Dort begegnen wir diesen zwei Sesselformen, deren Design am damals aufkommenden skandinavischen Wohnstil angelehnt sind. Ich habe viele Wohnzimmer mit Varianten dieser Sessel gesehen, alle wurden von Rülke-Schränken begleitet, d.h. ich fand die typischen Griffe und Bücher oder Vasen, die auf Rülke hinweisen.

Sammlung Gronau/Sauerland

 Das Rülke-dregeno-Problem

Sammlung Gronau/Sauerland

www.puppenhausmuseum.de

Diese Sessel-Sofa-Modelle sind wieder diese verwirrenden Stücke, die mal im Karton von Rülke (siehe oben, Sammlung Gronau/Sauerland) oder auch mal im Dregeno-Karton verkauft wurde.
Alle diese Sessel werden aber von Rülke-Tischen oder Rülke-Schränken begleitet oder mit Rülke-typischen Stoffmustern überzogen.

Here we have the same armchair model, found in boxes marked "Rülke" and also in boxes by "dregeno".


 

 Hier folgen noch weitere Rülke-Sesselmodelle,
die teilweise wohl auch unter dem Namen "dregeno" verkauft wurden:

A list of more Rülke chairs - in my opinion.

 Cocktailsessel mit Bananensofa



Sammlung Gronau/Sauerland



Jörg Bohn


 Das Muster rechts wurde auch von Paul Hübsch verwendet.


Hier ist das untere rote Muster wieder eines, das ebenfalls von Paul Hübsch verwendet wurde.


Sammlung Borbeck

 
Sammlung Borbeck

 


"Nagelsessel"

 

 
 Waffelmuster

Vom Cocktailsessel der 50er zum Drehsessel der 60er.



Schon die Plastik-Zeit, Mitte und Ende der 60er.

 


 
Um 1970


 

 

Hermann Rülkes Wohnzimmerliegen


 entwickelten sich wohl aus den Sofas - und zwar aus Sofas, die nicht symmetrisch geformt waren. Nur eine Seite hatte ein Polster als Armlehne bzw. war die Kopfstütze, wenn man darauf schlafen wollte. Es waren Varianten der alten Chaiselongue und sie konnten nun als Schlafgelegenheit verwendet werden, was ja gut in die Nachkriegszeit passt.

Die Polstergarnitur im Wohnzimmer, so wie wir sie kennen, ist erst eine spätere Entwicklung. Puppenmöbelkataloge aus den frühen Fünfzigern haben oft einen Tisch mit Stühlen im Zentrum des Zimmers, an der Wand sind der wuchtige Wohnzimmerschrank, eine kleinere Kommode und mal ein Sofa oder ein bis zwei Sessel arrangiert.

War es eine Mode der 50er, statt des Sofas eine Liege in die Sitzecke zu integrieren. War es eine wirkliche Schlafgelegenheit? Oder ein Gästebett? Oder sah es nur chic aus? In den 60ern findet man zwar immer noch elegante Liegen, z.B. bei Bodo Hennig, sie sind aber eher Einzelstücke und nicht Teil einer Polstergarnitur wie hier.

Bei Rülke findet man zuerst dieses (Schlaf)-Sofa:


1

Mal ist rechts ein schmaler Abschluss, mal nicht.

2



Im nächsten Schritt, ist die Rückenlehne geschwungen, die Muster werden moderner.



3



Die nächste Entwicklung läßt die Rückenlehne ganz weg. Als Verzierung wird außen auf beiden Seiten eine schnittige Holzleiste angebracht, auch mal in dunklem Holz. Jetzt kann die Liege auch frei im Raum stehen

4


Die Form ändert sich nur leicht.
Die Holzleisten an der Seite sind wieder verschwunden, die Muster sind immer noch aus den Fünfzigern.

5



Auf dem Wege in die 60er - der typische Frotteestoff von Rülke/Dregeno.
Oder auch die weißen Punkte auf rotem Stoff, wie unten zu sehen.


Sammlung Borbeck

 6

 
Die 60er - Plastikstühle, aber immer noch eine Holzliege, die jetzt nur noch gerade Formen aufweist.
Und hier finden wir auch wieder die typischen schwarzen geraden Rülke-Füße.
 Bis Ende der 60er ersetzt die Liege das Sofa in der Wohnzimmereinrichtung.


Auf diesem Foto sind zwei Ausführungen der Liegen (Typ 4 und 6) zusammen zu sehen:
alle mit demselben Stoffmuster, links 50er und rechts 60er Jahre.


Rülke - six types of chaise lounges
Follow the design from the early 50s to the end of the 60s.

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